Monthly Archives: April 2017

Honorar-Berater statt Hausbank

Wie findet man einen seriösen Finanzberater?

Die Zinsen bei Banken sind mehr als mager und immer mehr Leute suchen die Expertise von Finanzfachleuten, um auszuloten, ob sie nicht doch eine bessere  Rendite erwirtschaften können.

Worauf sollte man als Anleger achten, wenn man einen seriösen Finanzberater sucht?

Viele Wege führen nach Rom: die Suche über das Internet nach „unabhängiger Finanzberater“ oder über Berufsverbände wie den Bundesverband Finanz-Planer e.V.  oder über Empfehlungen. Doch „Finanzberater“ sagt noch nichts darüber aus, welche Tätigkeiten der Berater anbietet.

Zu einem sehr guten, umfassenden Überblick verhilft die Seite des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz  www.wegweiser-Finanzberatung.de. Seriöse Finanzberater klären vor einer Beratung den Verbraucher über ihre Art der Tätigkeit und die Vergütung auf. Sie klären über ihre Abhängigkeit von bestimmten Produktgebern auf, falls solche bestehen, drängen nicht zum Produktabschluss und bereitet die Entscheidungen für den Verbraucher vor.

Der unabhängige Finanzberater analysiert, erstellt individuelle Planungsrechnungen, spricht die steuerlichen und rechtlichen Fragen an und erstellt ein Konzept für die Anlage der Gelder. Weiter hilft er bei der Gewichtung der Kriterien für die  Auswahl von geeigneten Produkten.

Sollte der Berater über eine  kaufmännische Fachausbildung und über Erfahrung verfügen?

Selbstverständlich, zur Geldanlage gehört kaufmännisches Wissen und die Fähigkeit, Berechnungen durchzuführen. Ohne Erfahrung wäre nicht überzeugend. Erkundigen Sie sich, welche Referenzen der Berater aufweisen kann oder ob er Fachartikel geschrieben hat. Ich halte nicht viel von den Bewertungen in Social Media wie facebook, weil normalerweise Verbraucher nicht in der Lage sind, die fachliche Qualität eines  Finanzberaters zu bewerten. Daher der Ansatz, die fachliche  Qualifikationen anhand öffentlich rechtlicher Abschlüsse nachzuweisen, weil diese unabhängig vergeben werden. Wie nett und einfühlsam der Berater ist, wird jeder auch persönlich feststellen, weil das Bauchgefühl hierfür der richtige Gradmesser ist.

Für wen lohnt sich ein Finanzberater und für wen nicht?

Die wenigsten Verbraucher erkennen die Zusammenhänge zwischen ihren bisherigen Geldanlagen und Vermögen wie Immobilien und eventuellen neuen Anlagen. Hier hilft ein professioneller Finanzberater, den Überblick zu gewinnen, keine Klumpenrisiken einzugehen und das Risiko nicht aus dem Ruder laufen zu lassen, also die Eignung der Geldanlage für den Anleger persönlich zu ermitteln.

Er unterstützt sowohl bei der langfristigen strategischen Vermögensaufteilung als auch bei den anstehenden Anlageentscheidungen. Darüber hinaus haftet er für seine Empfehlungen.

Da sich die Märkte laufend ändern und eine Strategie auch eingehalten werden soll, um erfolgreich zu sein, ist eine laufende Betreuung unabdingbar. Schon mit den Grundüberlegungen: wie lange kann das Geld anlegt werden, wie schnell und kostenfrei soll es verfügbar sein und wie stark darf die Anlage schwanken, sind viele Verbraucher überfordert. Doch diese Fragen sind vor jeder Anlageentscheidung zu klären. Umso mehr macht eine Beratung, die dann mit einem ganzheitlichen Ansatz das ganze Vermögen im Blick hat, immer Sinn.

Gibt es einen Unterschied zwischen einem Finanz- und einem Vermögensberater?

Beide Begriffe sind werbliche Begriffe und sagen nichts aus. Interessant sind folgende Fragen: will ich einen unabhängigen Berater an meiner Seite, der nur auf meiner Seite steht und in meinem Interesse arbeitet? Dann suchen sie einen registrierten Honorar-Finanzanlagenberater oder Honorar-Anlagenberater, der über einen Marktüberblick verfügt und unabhängig das beste Produkt empfehlen kann.  Achtung: „Honorarberatung“ ist nicht geschützt und nur die Registrierung als Honorar-Finanzanlagenberater gemäß §34 h Gewerbeordnung gewährleistet die echte Unabhängigkeit.

Möchte der Kunde aus einer gewissen Anzahl Produkte wählen können, dann sollte er einen Makler beauftragen, der allerdings vom Produktgeber bezahlt wird. Ein Vertreter oder Agent verkauft immer nur Produkte seines Hauses und bietet keinen Überblick über den Markt.

Wie viel Aufwand möchte der Verbraucher mit seiner Vermögensanlage betreiben? Wer sich intensiv mit den Märkten und Produkten beschäftigt, benötigt vielleicht nur Insider Informationen, über die halt nur Profis verfügen und ab und zu einen Berater für fachliche Fragen, denn die relevanten jährlichen Steueränderungen und rechtlichen Änderungen wird kein Privatmann im Auge behalten können. Übrigens: bitten sie den Berater, ihnen die Investmentsteuerreform ab 1.1.2018 zu erklären. Spätestens hier trennt sich dann die Spreu vom Weizen für sie.

Sollte die Erstberatung kostenlos sein?

Es gibt keine Vorgaben, da jeder Berater einen anderen Ansatz hat. Für Honorarberater gilt grundsätzlich: das einzige, was sie verkaufen können, ist ihre Zeit. Wer eine Tasse Kaffee in einem halbstündigen Kennenlern-Gespräch anbietet, kann das machen. Mein Ansatz ist, das Erstberatungsgespräch auch als echte Beratung anzubieten. Das heißt, das Gespräch wird mit Fragen und Checklisten zu Unterlagen so weit es geht vorbereitet, um fundiert im Gespräch  zu die Themen zu kommen, die dem Kunden wichtig sind und wo er Hilfe benötigt.

Wie hoch ist im Schnitt das Honorar?

Honorarberater rufen je nach regionalem Sitz und nach Ausbildung unterschiedliche Stundensätze auf. Im Emsland finden sie niedrigere Honorare als in München. Ein Vermittler, der gerade die Sachkundeprüfung als Multiple-Choice Test bestanden hat, wird ein anderes Beratungsniveau anbieten als ein Fachwirt für Finanzberatung, ein Diplom-Kaufmann oder ein zertifizierter Finanzplaner. Hier müssen andere Honorarsätze gefragt werden. Wir finden deutschlandweit Honorare ab ca. 150 Euro, üblich sind zwischen 250 bis 300 Euro pro Beratungsstunde. Die Finanzberater haften persönlich mit 1,5 Millionen Euro für die Beratung.

Was macht der Finanzberater konkret – und was macht er in aller Regel nicht?

Zunächst: der Finanzberater trifft keine Entscheidung für den Kunden. Dafür unterstützt er mit seinem Fachwissen und seiner Erfahrung bei einer Entscheidung. Nur ein Vermögensverwalter trifft Entscheidungen hinsichtlich der Wertpapiere selbstständig, aber auch nur im Rahmen der abgesprochenen Vorgaben.

Ist es ratsam, sich an einen Finanzberater vertraglich zu binden?

Es muss immer ein Vertrag gemacht werden, um die vereinbarten Leistungen festzuhalten und auch, um Transparenz bei der Vergütung zu schaffen, die dafür zu zahlen ist. Der Bundesverband Finanz-Planer hat deshalb kundenfreundlichen transparente Verträge entwickelt, die leicht verständlich und ohne Juristendeutsch und Kleingedrucktes auskommen.

Worauf sollte man im Umgang mit einem Finanzberater grundsätzlich achten?

Die Unabhängikeit des  Finanzberaters soll mit einer nachgewiesenen Registrierung, nachgewiesener Qualifikation und langjähriger Erfahrung zusammenlaufen. Die Homepage des Finanzberaters ist eine gute Auskunftsquelle. Dann weiter: ist der Berater Mitglied in einem Berufsverband? Dies gewährleistet eine laufende Möglichkeit der Weiterbildung und des Austausches mit Kollegen.

 


Nachhaltige Anlagenberatung

Am 12. Oktober fand in Frankfurt/Main die Veranstaltung „Investmentethische Grundfragen: Nachhaltige Anlageberatung“ statt. Zwei Referate und eine Podiumsdiskussion trugen dazu bei, dieses Thema konkreter zu fassen.

In seinen Eröffnungsvortrag beschrieb Dr. Kevin Schaefers das Konzept einer nachhaltigen Anlageberatung. Demnach betreten nicht nur Investorinnen und Investoren bei ihren Investmententscheidungen den Raum der Moral, sondern auch Beraterinnen und Berater: sie sollen ihre Kunden ermächtigen, verantwortliche Entscheidungen zu treffen. Schaefers betonte dabei, dass ein Beratungsgespräch keine Bevormundung sein darf, sondern ein „vom Berater moderierter Aufklärungsprozess“ sein soll.

Norbert Wolf präsentierte in seinem Vortrag das Konzept der Steyler Ethik Bank. Dass Beraterinnen und Berater die Möglichkeit haben, ihren Kunden eine faire und nachhaltige Beratung zukommen zu lassen, hängt nicht nur von entsprechenden Ausbildungsmaßnahmen , sondern auch vom klaren Commitment der Eigentümer und der Geschäftsleitung ab.

An der von Elgin Gorissen-van Hoek moderierten Podiumsdiskussion nahmen neben den beiden Referenten auch Ulrich Röhrle (Banden-Württembergische Bank) und Ingo Scheulen (ökofinanz-21 e.V.) teil. In dieser Diskussion konnte deutlich gemacht werden, dass das Thema Nachhaltigkeit eine Chance für die Finanzwirtschaft darstellt und die Banken das Thema Nachhaltigkeit nicht verschlafen dürfen. Außerdem wurde hervorgehoben, wie wichtig es ist, dass Beraterinnen und Berater ihre Kunden aktiv auf Nachhaltigkeits-Aspekte ansprechen. Ein sich dabei stellendes Problem ist die erforderliche Kompetenz und Sprachfähigkeit der Beraterinnen und Berater. Denn fundiertes Wissen über ethische und Nachhaltigkeitsaspekte wird in der Ausbildung für gewöhnlich nicht vermittelt. Wichtig sind hierzu zusätzliche Ausbildungsmaßnahmen, wie der ecoanlageberater oder der Lehrgang Geld&Ethik, der speziell auf die Vermittlung kommunikativer Kompetenzen zum Themenfeld der ethisch-nachhaltigen Geldanlage abzielt.

Erschienen bei cric.